Nicolas Drechsler und Stefanie Kallmann

Nice to meet you!

Diana Zwahlen Psychologin, Psychosomatik und Psychoonkologie

Gerade in der Abteilung für Psychosomatik, in der ich arbeite, haben wir Überschneidungen mit der Seelsorge – wir beschäftigen uns nämlich im weitesten Sinne beide mit der psychosozialen Komponente von Krankheit. Die spirituelle Dimension und Rituale sind in seelsorgerischen Gesprächen zentral, während wir uns in der Psychoonkologie an psychotherapeutischen und psychologischen Konzepten orientieren. Wir ergänzen uns gegenseitig und kümmern uns mit unterschiedlichen Ausgangspositionen aber ähnlichen Mitteln – dem Gespräch – um die Menschen. In der Psychoonkologie und Psychosomatik führen wir sehr unterschiedliche Gespräche mit Menschen in ganz verschiedenen Lebenslagen. So ergibt es sich manchmal an einem Tag, dass wir sehr strukturierte Abklärungsgespräche oder Gespräche am Spitalbett führen, von denen ein Aussenstehender vielleicht sagen würde: «Das ist doch ein ganz normales Geplauder». Aber wir wissen, weshalb wir gerade dieses Gespräch führen, welche Anstösse wir der Patientin oder dem Patienten zu geben versuchen. Gerade in akut schwierigen Situationen ist es unsere Aufgabe, den Moment zu erfassen und zu reagieren. Das bedeutet zuerst einmal zuzuhören, gemeinsam mit den Betroffenen eine Situation einzuordnen und Gefühle zu benennen, um aus einem chaotischen inneren Zustand herauszufinden. Diese Vielfältigkeit meiner Arbeit, die täglich neuen Situationen und Herausforderungen, gefallen mir an meinem Beruf.

Was mich dazu bringt, von Bern, wo ich lebe, nach Basel zu pendeln, ist die Offenheit, mit der man hier meinem Fach begegnet. Am USB erleben wir oft, dass die Psychosomatik und Psychoonkologie in die Behandlung von Patientinnen und Patienten miteinbezogen wird. Diesen interdisziplinären Aspekt meiner Arbeit schätze ich sehr.

Valeria fragt, Diana antwortet

Was schätzen deine Freunde besonders an dir?
Gewisse Freunde schätzen meine ruhige Art.
Was macht dir Freude?
Ein Tag ohne Pläne, an dem sich spontan und unvorhergesehen Schönes ergibt.
Hattest du als Kind einen speziellen Berufswunsch?
Tierärztin.
Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?
Ich bin als Kind und Jugendliche viel geritten. Wenn ich mit dem Pferd unterwegs war, war ich ganz Abenteurerin und genoss das Gefühl von unbeschwerter Freiheit.
Welches Buch liegt momentan gerade auf deinem Nachttisch?
«Ronja Räubertochter» von Astrid Lindgren. Darin lese ich meiner Tochter jeden Abend vor. Dann liegen da auch noch diverse «Das Magazin»-Hefte, die auf Lektüre warten.
Welche Art von Musik hörst du gerne?
Alles, was klingt und nicht scheppert oder dröhnt.
Gibt es jemanden, mit dem du gerne mal einen Tag lang die Rolle tauschen würdest?
Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich lieber Direktorin einer Wildtierstation in der Serengeti oder eines kleinen, aber feinen Hotels sein möchte – am besten beides zusammen und mehr als nur einen Tag lang.
Wenn du ein Spital bauen könntest, was wäre dir dabei am wichtigsten?
Dass Design und Bauweise die Privatsphäre der Menschen schützen und dass das Gebäude eine gute Mischung aus Wärme und Funktionalität ausstrahlt.
Was magst du besonders an deiner Arbeit?
Der Tiefgang bei Gesprächen mit Betroffenen, die Interdisziplinarität und dass ich als Psychologin gleichzeitig pragmatisch und professionell handeln kann und muss.
Welche Fähigkeit braucht man bei deiner Arbeit unbedingt?
Man muss sich für Menschen und ihre Geschichten interessieren und sich wohl dabei fühlen, schwierige und existenzielle Themen anzusprechen und besprechen zu können.
Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Es könnte sein, dass ich noch am USB arbeite.
Ich vergesse öfter mal die Zeit
... in den alten SBB-Zugrestaurants.
Ich möchte einmal in meinem Leben
… eine Wildtierstation oder ein Hotel führen.

Valeria Hengartner, Seelsorgerin, Seelsorge USB

Ich bin eigentlich Primarlehrerin, habe aber nachträglich Religionspädagogik und Theologie studiert. Seit 1982 habe ich in verschiedenen Kantonen unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt. Man kann aber sagen, dass ich seit 20 Jahren in der Spital- und Heimseelsorge tätig bin.

Vor sechs Jahren bin ich ans USB gekommen. Hier arbeite ich als katholische Theologin in einem ökumenischen Team mit sechs Kolleginnen und Kollegen. Um in diesem Beruf zu arbeiten, benötigt man verschiedene Zusatzausbildungen, allem voran aber Lebenserfahrung. Die Begegnung mit Menschen und deren Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt. Ich kann meine Arbeit frei einteilen und darf mir Zeit lassen. Manchmal sind es auch die Ahnung und Erfahrung von Transzendenz, die mir besonders gefallen. Ich habe vor jedem Gespräch grossen Respekt, weil mir bewusst ist, was ein Gespräch bewirken kann. Deshalb versuche ich, achtsam und sehr präsent zu sein, um wahrzunehmen, was von mir erwartet wird. Wichtig ist dabei, gut zuzuhören, wertschätzend und ergebnisoffen zu bleiben. Ich lasse mich gerne von Fragen leiten wie «Wie geht es Ihnen jetzt und was hilft Ihnen in diesem Moment?» oder «Wie kann ich Sie unterstützen?»

Im Gegensatz zu unseren Kolleginnen von der Psychosomatik werden wir nicht durch ein Konsil aufgeboten und haben oft keine Informationen über Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige. Mit Glaubensthemen bin ich grundsätzlich zurückhaltend, aber bete auf Wunsch mit den Patientinnen und Patienten, singe ein Lied, segne sie oder biete ein Abschiedsritual mit den Angehörigen an. Grundsätzlich sind wir Seelsorgende Ansprechpersonen für alle Menschen im USB, unabhängig von Konfession oder Religion.

Diana fragt, Valeria antwortet

Was schätzen deine Freunde besonders an dir?
Meine Gastfreundschaft. Ich nehme mir gerne Zeit für meine Freunde, bin für sie da und habe immer ein offenes Ohr für sie.
Worüber kannst du dich so richtig ärgern?
Wenn Menschen ungerecht behandelt, manipuliert oder belogen werden.
Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?
Besonders schön waren die Vorfreuden auf Weihnachten oder die Ferientage im Tessin.
Was darf an deinem perfekten Tag auf keinen Fall fehlen?
Kaffee am Morgen und eine unerwartete Begegnung.
Welches Buch liegt momentan auf deinem Nachttisch?
Ich habe immer mehrere Bücher auf dem Nachttisch liegen. Im Moment gehört dazu zum Beispiel «Abschiedsfarben» von Bernhard Schlink. Schlink beschreibt in jeder neuen Kurzgeschichte einen anderen Aspekt von Abschied überraschend und (manchmal) tiefgründig. Dann noch «Das Gewicht der Worte» von Pascal Mercier. Das Buch handelt von einem Übersetzer, der sich vorgenommen hat, alle Sprachen rund um das Mittelmeer zu lernen. Was dabei herauskommt, sind Gespräche, Reflexionen und eine Rahmengeschichte, die ich nicht verrate.
Wie oder wo kannst du dich am besten erholen?
Ich mag die Stille im Spiel mit meinen Grosskindern, sitze gerne am Wasser, liebe Wanderungen, lese, stricke, besuche Ausstellungen, treffe Freundinnen und Freunde, gehe gerne ins Kino.
Gibt es jemanden, mit dem du gerne mal einen Tag lang die Rolle tauschen würdest?
Ich führe viele Gespräche mit Menschen mit schwerem Schicksal. Gerne würde ich einmal mit ihnen tauschen, um ihre Situation besser nachempfinden zu können. Ansonsten wäre es spannend, mit einer Mystikerin wie Teresa von Avila oder Hildegard von Bingen zu tauschen.
Wenn du ein Spital bauen könntest, was wäre dir dabei am wichtigsten?
Mein Spital sollte einen Park wie unseren Spitalgarten haben. Es sollten viele helle und freundliche Aufenthaltsräume und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. So etwa freundliche Aufbahrungsräume, wo Angehörige ausreichend Zeit und Raum haben, um Abschied zu nehmen.
Was magst du besonders an deiner Arbeit?
Dass die Begegnung mit Menschen und deren Bedürfnissen im Mittelpunkt steht. Ich kann meine Arbeit frei einteilen und darf mir Zeit lassen. Manchmal ist es auch die Ahnung und Erfahrung von Transzendenz, die mir besonders gefällt.
Welche Fähigkeit braucht man bei deiner Arbeit unbedingt?
Mir persönlich ist es sehr wichtig, ganz präsent und offen zu sein, gut zuzuhören und die Menschen so anzunehmen, wie sie sind.
Sollte man als Seelsorgerin gläubig sein?
Wenn gläubig sein bedeutet, dass man in das Leben und in die göttliche Kraft vertraut, an Nächstenliebe und an ein «Es gibt mehr als alles» (D. Sölle) glaubt, dann ja. Oft sage ich: «Ich rüttle am Himmel», und das mache ich dann auch :-)
Welche Rituale verwendest du gerne?
Mein Lieblingsritual ist es, die Arbeit kurz zu unterbrechen, tief durchzuatmen und mich mit Erde und Himmel zu verbinden.
Was hast du dir zuletzt gekauft, was eigentlich völlig unnötig war?
Einen vor Jahren von allen propagierten Zwiebelhacker. Nach zweimaliger Verwendung musste ich ihn weglegen. Das Abwaschen gestaltete sich kompliziert. Seither schneide ich Zwiebeln lieber und sehr gerne nur von Hand (und mit Tränen).
Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich
… möglicherweise eine Eselin.
Als Spitaldirektorin des Unispitals würde ich sofort ...
Herrn Dr. Kübler anrufen und ihm die Last der Aufgabe zurückgeben. Wenn das nicht möglich wäre, würde ich mich für die Pflegeinitiative stark machen.

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