Annick Wangler

Sichtbare Erfolge dank Hightech

Das Augenlicht wiederherstellen – für viele Patienten und Patienten ein Traum, für Prof. Nicolas Feltgen und sein Team täglicher Ansporn. Als Chefarzt ad interim arbeitet er im Augenspital daran, Menschen Hoffnung zu schenken.

Blinde sehend zu machen, gilt als das Wunder schlechthin. Wie nahe kommen wir dem?


Heute können wir oft Blindheit verhindern. Wenn ich auf die letzten 25 Jahre zurückblicke und sehe, was jetzt möglich ist – das ist unfassbar. Ob bei Netzhautablösungen, Venenverschlüssen, Diabetes oder Frühgeborenen mit Augenerkrankungen: Wir haben heute viele Behandlungsmöglichkeiten. Das macht Freude.

Seit Kurzem ist das Augenspital fast papierlos. Welche Vorteile bringt das?

Alle Informationen sind überall abrufbar. Nach der Diagnostik können wir die Ergebnisse sofort aufrufen und direkt ins Gespräch gehen. Wir sind ja ein sehr optisches Fach und da hilft es, wenn wir die vielen Fotos unserer Patientinnen und Patienten stets parat haben.

Auch die digitale Mikroskopie, also Mikroskope, die Bilder elektronisch erfassen und auf Bildschirmen anzeigen, haben vieles verändert.

Ja, sehr. Unsere Operationen sind sehr fein, wir arbeiten teils mit herkömmlichen, teils mit digitalen Mikroskopen. Die 3D-Technologie hat den OP-Saal revolutioniert. Früher hatte nur der Operateur alles in 3D, heute sieht das gesamte OP-Team alles räumlich. So entstehen bessere Ergebnisse, ob bei Operationen des Grünen Stars oder bei Hornhaut-, Linsen- oder Netzhautoperationen.

Eine weitere Errungenschaft im Rahmen des Innovationsfocus sind Gentherapien, die unter die Netzhaut appliziert werden.

Ja, diese Therapie gegen Retinopathia Pigmentosa wurde von meinem Vorgänger eingeführt. Betroffene haben oft ein so genanntes Röhrengesichtsfeld und im schlimmsten Fall droht Erblindung. Diese Gendefekte können wir nun teilweise therapieren; eine Therapie ist bereits zugelassen, weitere werden in Studien getestet. Basel ist hier führend, sowohl in der Anwendung als auch in der Forschung.

Wie reagieren die Patientinnen und Patienten auf die Behandlung?

Die Therapie kann eine weitere Verschlechterung aufhalten. Auch wenn die Betroffenen nie «normal» sehen werden, bleiben ihnen Lebensqualität und Selbstständigkeit. Diese Erfolge sind ein grosser Hoffnungsträger und könnten eine Welle an weiteren Innovationen anstossen.

Was ist die Vision für die Zukunft?

Wir hoffen, eine breite Behandlungspalette für erbliche Netzhauterkrankungen zu entwickeln. Das USB ist hier das klinische Flaggschiff. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel IOB bringen wir Therapien vom Labor in die Klinik. Die Wege sind kurz, und die Zusammenarbeit macht Mut.

Was macht Ihnen sonst noch Mut?

Die Reaktionen der Patientinnen und Patienten. Wenn sie nach der Operation den Verband abnimmt und wieder sehen können – das ist für uns schon sehr berührend. Letztens hat mich ein Patient wortlos in den Arm genommen. Solche Momente bedeuten mir viel.

plusKommentar hinzufügen

Kommentare (0)

Keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden. Sei die/der Erste, der diesen Artikel kommentiert.

vorheriger Artikel
nächster Artikel

Keine Ausgabe verpassen –
Erinnerungsservice abonnieren!