Editorial

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Ihre Gina Hillbert

Atemlos durch Asien:

ein Trip für Starke

Eine USB-Mitarbeiterin, nennen wir sie mal Brigitte, lässt sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Weder von Mäusen noch von schrottreifen Bussen oder rätselhaften Fieberschüben. Eine Optimistin auf Reisen in Vietnam und Kambodscha.

Eigentlich war alles schon lange geplant: Ferien in Vietnam und Kambodscha, sechs Wochen im Dezember und Januar. Trotz ihrer Abneigung gegen Hitze wollte Brigitte ihr Versprechen einlösen und zusammen mit einer Freundin einen guten Freund besuchen, den es der Arbeit wegen nach Saigon verschlagen hatte. Als ihre Freundin jedoch kurzfristig die Reise verschieben musste, entschied sich Brigitte, alleine loszuziehen. Schon der Start verlief etwas holprig – ihr neuer Koffer überstand den Hinflug nicht. Davon liess sich Brigitte die Reise jedoch nicht verderben. Sightseeing in Saigon war angesagt, inklusive Training für das richtige, also furchtlose Überqueren der stark befahrenen Strassen.

Erst Fieber, dann Mäuse

Zwei Wochen konnte Brigitte ihren Aufenthalt in Vietnam geniessen, bis sie schliesslich feststellen musste: Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Schon seit einiger Zeit fühlte sie sich schlapp, und nun plagte sie auch noch ein rätselhaftes Fieber, welches sie jeden Tag pünktlich um 17 Uhr heimsuchte. Ihrem Gastgeber verschwieg sie ihr Unwohlsein. Seine Arbeit nahm ihn stark in Anspruch und sie wollte ihm nicht zusätzliche Mühen bereiten. Von einer solchen Kleinigkeit würde sie sich nicht unterkriegen lassen.

In einem fremden Land den ganzen Tag im Bett liegen kam für Brigitte nicht in Frage.

Als Nächstes hatte sie einen Ausflug nach Kambodscha geplant. Das bedeutete 16 Stunden in einem übervollen Bus, den man in der Schweiz nicht einmal mehr auf einem Schrottplatz antreffen würde, zusammen mit Einheimischen und deren überbordendem Gepäck und einer Gruppe gehörloser Touristen aus Korea. Die Tatsache, dass sie sich bei ihrer Ankunft in Siem Reap das ansonsten luxuriöse Hotelzimmer mit zwei Mäusen teilen musste, brachte sie und den zu Hilfe eilenden Nachtportier um einige Stunden Schlaf, schaffte es aber nicht, ihren Optimismus zu trüben. Ein stärkendes Frühstück und ein Mittagsschläfchen sollten alles wieder richten. Als sich Brigitte aufs Bett legen wollte, musste sie jedoch feststellen, dass ihr diese Position starke Schmerzen verursachte. Liegen war nicht mehr möglich, und so schlief sie stattdessen im Sitzen.

Die Schmerzen im Oberkörper schob sie auf die unbequeme Busfahrt, ein einfacher Muskelkater. Einen Arztbesuch wollte sie tunlichst vermeiden, und so schrieb sie stattdessen eine Mail an einen Arbeitskollegen am USB. Um einige Entspannungstipps schlauer ging die Reise trotz anhaltendem Unbehagen weiter. Die Weihnachtstage rückten indes immer näher.

Weihnachten weit weg von zu Hause

In Siem Reap besuchte Brigitte ein befreundetes Ehepaar und feierte mit ihnen zusammen ein verfrühtes, traditionell schweizerisches Weihnachtsfest. Zwischen Weihnachtsgeschichte und Festessen kam dann doch ein wenig Heimweh auf. Die zu Hause gebliebene Familie und Freunde fehlten und das andauernde Unwohlsein tat den Rest. Auch die Rückfahrt nach Saigon bot einige Hindernisse, denn der Nachtbus war nur mit Liegeplätzen ausgestattet und ihr Platz von einem unkooperativen Russen besetzt.

Erst mit sprachlicher Unterstützung einer hilfsbereiten Finnin liess sich der Mann dazu bewegen, Brigittes Platz freizugeben. 16 Stunden im Schneidersitz später war sie wieder zurück in Saigon. Den 24. Dezember feierte sie zusammen mit ihrem guten Freund und dessen Freunden klassisch vietnamesisch: mit einer Tannenbaum-Lichterkette über dem Fernseher und feinem Schweizer Raclette.

Ein letzter gemütlicher Abend, denn am nächsten Tag war die Weihnachtsstimmung endgültig vorbei. Am Weihnachtstag stand eine grosse Feier im Büro ihres Bekannten an. Dass es ihr immer elender ging, konnte sie den Anwesenden inzwischen nur noch mehr schlecht als recht verheimlichen. Als sie sich auf einem Barhocker niederlassen wollte und feststellen musste, dass nun auch Sitzen nicht mehr möglich war, war für Brigitte klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Ein weiteres Mail ging ans USB, an einen befreundeten Arzt auf der Notfallstation. Dieser gab ihr den dringenden und inzwischen unausweichlichen Rat: «Brigitte, geh ins Spital!»

Bereits beim Betreten der Klinik spürte Brigitte, dass man ihr hier würde helfen können.

Family Medical Practice Vietnam

Gewappnet mit einer Liste mit den wichtigsten medizinischen Begriffen auf Englisch begab sie sich in die «Family Medical Practice Vietnam» in Saigon. Bereits beim Betreten der Klinik spürte Brigitte, dass man ihr hier würde helfen können. Freundliche Mitarbeitende, moderne Infrastruktur und ein englischsprechender Arzt aus Japan, der sie gleich als Erstes zum Röntgen schickte. Die Aufnahmen brachten jedoch keine Erklärung für ihre Schmerzen und auch der hinzugerufene Professor konnte nicht weiterhelfen. Ein MRI war nötig. Dies stellte das Behandlungsteam vor ein kniffliges Problem, denn für das MRI musste Brigitte liegen. Nach langem Hin und Her war eine Lösung gefunden. Solange Brigitte ihre Arme über den Kopf hielt, konnte sie sich ohne Schmerzen hinlegen. Das MRI brachte schliesslich des Rätsels Lösung: eine stark fortgeschrittene Lungenentzündung des linken Lungenflügels. Brigitte wurden drei Tage strikte Bettruhe und Antibiotika verordnet.

Auf dem Weg zur Besserung

Die Diagnose warf ihre Reiseplanung über den Haufen, wollte sie doch am Stephanstag nach Hanoi fliegen. Mit einer entzündeten Lunge in ein Flugzeug zu steigen, war ihr dann aber doch zu riskant, denn dies ist wegen des Druckunterschiedes hochgefährlich. So blieb ihr nichts anderes übrig, als in Saigon zu verweilen. Trotz allem hatte Brigitte Glück im Unglück, die Antibiotika schlugen an und es ging ihr in kürzester Zeit wieder besser. Trotz ärztlichem Flugverbot setzte Brigitte ihre Reise zwei Tage später bereits wieder fort, besuchte Hanoi und die Halong Bucht.

Anfang Januar bestieg sie schliesslich das Flugzeug zurück nach Deutschland. Auf der Zugfahrt von Frankfurt nach Basel wollte es der Zufall, dass sich ein Mann neben Brigitte setzte, der nach einer Weile das Schweizerische Ärztemagazin aufschlug und sich intensiv mit einem Artikel über Lungen zu beschäftigen begann. Man kam ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass es sich um einen Arzt aus Laufenburg handelte. Sie kam in dieser Situation natürlich nicht darum herum, ihm von ihren abenteuerlichen Ferien zu erzählen und schilderte ihm auch ihre Krankengeschichte. Als Brigitte schliesslich in Basel aus dem Zug ausstieg, fühlte sie sich durch diese unerwartete Zweitmeinung bestärkt in ihren getroffenen Entscheidungen. Irgendwie angekommen – und am Ende einer atemberaubenden Reise.


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