Editorial

Bis zu 30 Grad Celsius: minus oder plus?

Gehe ich recht in der Annahme, dass wir jeweils ab dem 21. Juni von «Sommer» reden? Das Thema mag für mein Editorial banal sein, aber es beschäftigt mich als etwas kritischen Sprachmenschen punktuell doch sehr. Während der Entstehung der Sommerausgabe der Gazzetta stehen wir noch mitten im Frühling, aber überall ist zu hören und zu lesen: «Der Sommer kehrt zurück.» Ja, wo war er denn vorher? Hat er sich etwa frech eingenistet im Frühling? Und dieser konnte ihn nicht daran hindern, auszubrechen? Welche Naturgewalt auch immer dahinterstecken möge, egal, ob es noch einmal Schnee gegeben hat oder gar Sahara-Sand über die Lande gefegt ist, heute, an meinem Editorial-Schreibtag, ist laut Kalender immer noch Frühling. Punkt.

Und wissen Sie was? Ich missachte für einmal die Jahreszeiten, bin so frei und bringe aus voller Überzeugung in der Sommer-Gazzetta ein abkühlendes Bild. Damit liege ich voll im Trend. Sommerausgabe mit dem kältesten Bild der Welt: Nordpol, bis minus 35 Grad Celsius. Eine Ärztin und ein Arzt aus dem USB mit einer äusserst erwärmenden Geste. Alle, die vielleicht gerade in diesem Lesemoment heisse Celsius-Grade erdulden müssen, springen bitte direkt auf Seite 24, am besten noch mit einem eisgekühlten Getränk in Reichweite. Folglich wünsche ich Ihnen angenehme Lektüre bei für Sie wohltuenden Temperaturen – nicht zu heiss, nicht zu kalt – und einen Sommer, der sich dann nicht bereits in den Herbst verabschiedet hat.


Ihre Gina Hillbert


Ressourcenpflegende

schaffen den Spagat

Ressourcengruppen der Pflege haben im Universitätsspital Basel Tradition. Dass immer wieder neue entstehen, zeigt, dass der Anspruch an pflegerische Kompetenzen steigt. Aber was leisten Ressourcenpflegende? Wie sieht ihr Alltag aus? Und wie schaffen sie den Spagat zwischen Pflegealltag und Weiterentwicklung der Pflegepraxis auf der Abteilung?

Marlis Meury ist langjähriges Mitglied der Ressourcengruppe Onkologie. Sie arbeitet auf der Medizinischen Poliklinik in der hämato-onkologischen Sprechstunde, in der angegliederten Tagesklinik bei der Verabreichung von Chemotherapien und hat zudem die Rolle als Ressourcenpflegende Onkologie inne. Durch ein DAS (Diploma of Advanced Studies) Onkologie und kontinuierliche Fortbildung verfügt Marlis Meury über eine fundierte onkologische Pflegeexpertise. Sie entschied sich für diesen Weg, weil es ihr wichtig war, sich erweitertes pflegerisches Wissen anzueignen, um die Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihren körperlichen, psychischen und sozialen Problemen unterstützen und kompetent begleiten zu können.

Auf der Medizinischen Poliklinik hat sie die Aufgabe, ihre Kolleginnen und Kollegen in der Pflege onkologischer Patientinnen und Patienten zu unterstützen und zu befähigen. Dies kann in der direkten Pflege oder durch Coaching erfolgen sowie durch Reflexion wie zum Beispiel durch Fallbesprechungen. Als Ressourcenpflegende ist Marlis Meury auch verantwortlich dafür, dass neue Erkenntnisse und Richtlinien eingeführt und umgesetzt werden. Zurzeit bereitet sie die Einführung des sogenannten Belastungsthermometers zur Erfassung der psychosozialen Belastung von Patientinnen und Patienten mit einer Tumorerkrankung vor. Durch diese niederschwellige Erfassung wird früh erkannt, welche Unterstützungsangebote die von Krebs Betroffenen benötigen und welche Kontakte zu unterstützenden Diensten wie Psychoonkologie, Sozialdienst u.a. hergestellt werden sollten.

«Für mich ist es immer wieder unterstützend, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, was andernorts im USB läuft. Dadurch wird es möglich, Synergien zu nutzen.»

Alltagsaufgaben mit Fokus auf Weiterentwicklung

Alltagsaufgaben mit Fokus auf Weiterentwicklung Ressourcenpflegende stehen täglich vor Herausforderungen. Sie erfordern einen Spagat zwischen den Alltagsaufgaben einer Pflegefachperson und der Weiterentwicklung der onkologischen Pflegepraxis auf ihrer Abteilung. Besonders wichtig dabei sind eine gute Planung und die Unterstützung durch das Führungsteam.

Als zentralen Punkt für die Rolle der Ressourcenpflege nennt Marlis Meury die Vernetzung im USB. Zum einen mit den verschiedenen Supportdiensten wie Sozialarbeit, Psychoonkologie, Seelsorge, Palliative Care, zum anderen mit der Ressourcengruppe Onkologie, deren Mitglieder sich zweimal pro Jahr für einen ganztägigen Workshop treffen. «Für mich ist es immer wieder unterstützend, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, was andernorts im USB läuft. Dadurch wird es möglich, Synergien zu nutzen», so Marlis Meury. Die Gruppe hat das Ziel, voneinander und miteinander zu lernen und die neusten Erkenntnisse mit Unterstützung der Führungsteams auf den Abteilungen zu implementieren. An den Workshop-Tagen erarbeiten die Ressourcenpersonen fachliche Grundlagen und setzen sich mit der Umsetzung in den Praxisalltag auseinander. Sie befassen sich mit der neusten wissenschaftlichen Evidenz und erarbeiten interne Richtlinien. Für Marlis Meury ist es wichtig, dass sie als Ressourcenpflegende bei der Richtlinienentwicklung einbezogen wird: «Ich arbeite im Kerngeschäft, kenne die täglichen Problemstellungen und muss die Richtlinien auch umsetzen können.»

Die Ressourcenpflegenden Onkologie leisten auch einen grossen Beitrag bei der Umsetzung des Pflegekonzeptes Onkologie, welches die Grundlage der Pflege für die Zertifizierung des Tumorzentrums durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) bildet. Mit ihrer Arbeit trägt die Ressourcengruppe Onkologie wesentlich dazu bei, die Pflege im Tumorzentrum weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen.

«Ihre Rolle ist eine täglich wiederkehrende Herausforderung zwischen Pflegealltag und kontinuierlicher Weiterentwicklung der Pflegepraxis. Das grosse Engagement der Ressourcenpflegenden, ihre Motivation und ihr unermüdliches Dranbleiben sind ein entscheidender Beitrag zur Gewährleistung einer hohen Pflegequalität.»

Dr. Irena Anna Frei, Leiterin Praxisentwicklung Pflege

Griffbereit in der Kitteltasche

Die Mitglieder der Ressourcengruppen setzen sich mit all ihrem Wissen und Können für eine gute Pflegepraxis ein. So hat sich beispielsweise unter der Leitung der Pflegeexpertinnen Jacqueline Estoppey und Annette Schweizer die Ressourcengruppe Onkologie mit der Umsetzung des Schmerzkonzeptes auf ihren Abteilungen auseinandergesetzt. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass für Pflegende nun ein Leporello «Schmerztherapie in der Onkologie» vorliegt. In der Praxis ist die Schmerzbehandlung komplex und erfordert oft ein rasches Handeln. Deshalb war es wichtig, dass PD Dr. Wilhelm Ruppen und Dr. Monika Kirsch vom Schmerzdienst die Arbeit am Leporello unterstützten. Ein Blick ins Leporello zeigt übrigens, dass es nicht nur für Pflegende von Nutzen ist, sondern auch anderen Berufsgruppen dient (zu bestellen unter der SRM-Nummer: 9149725).


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