Text: Annick Wangler, Fotografie: Kostas Maros
Der Rollator, der fehlt
Brauche ich nach dem Spitalaufenthalt einen Platz im Altersheim? Was tun, wenn zu Hause niemand hilft, Rechnungen offen sind oder ein Rollator fehlt? Die Sozialberatung am USB findet Lösungen.
Blaue Jacke mit weisser Aufschrift: Sozialberatung. Holger Porzelt steuert Richtung Notfallzentrum. «Unsere Fälle überschneiden sich oft», betont der Sozialarbeiter.
Und danach?
Die Nummer der Sozialberatung hängt gut sichtbar im Notfallzentrum. Beim morgendlichen Termin mit dem Team Silber, einer Equipe für ältere, gebrechliche Patientinnen und Patienten, gibt es ein Update: Ein Mann braucht nach einem Sturz einen Rollator. Bezahlen kann er ihn nicht. Er gibt an, einen Beistand zu haben. Holger Porzelt erfährt, dass der Mann oft vergisst zu kochen. «Wir rufen seinen Beistand an und besprechen, ob sich ein Mahlzeitendienst finanzieren lässt», sagt der Sozialarbeiter. Holger Porzelt ist seit rund drei Jahren am USB. «Wir kümmern uns, wenn sich ein Anliegen nicht rein medizinisch oder administrativ lösen lässt. Auch bei kleinen Anliegen sind wir da.» Heute Morgen hatte er eine Patientin, die Hundesitterin ist. «Wir haben ihre Kunden angerufen und erklärt, dass die Hunde-Betreuung ausfällt. Sie war sehr erleichtert.» Als Sozialarbeiter kennen er und seine neun Kolleginnen und Kollegen das Sozialrecht, sind geübt im Kontakt mit der Arbeitslosen- und der Invalidenversicherung oder dem Arbeitsrecht. Ein weiterer Fall: ein Tourist, der unzureichend versichert ist. «Wir haben die Sprachbarriere überwunden und so die nötigen Informationen bekommen, um den Patienten für den Akutaufenthalt zu versichern», freut sich Holger Porzelt.
Wo das Netz fehlt
Besonders gut findet er, wie das USB mit Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung umgeht: «Wir werten nicht.» Letztens betreute er einen Patienten, der nirgends angemeldet war und inoffiziell bei seiner Schwester lebte. Deshalb erhielt er keine Ergänzungsleistungen. «Zusammen mit dem Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter haben wir ermöglicht, dass er sich anmelden kann.» Das Team der Sozialberatung begleitet Menschen häufig zum Einwohneramt, um den Wohnaufenthalt für die Versicherung zu bestätigen. Auch Angehörige werden unterstützt, zum Beispiel, wenn die Pflege zu Hause herausfordernd wird.
Nähe aushalten
In der Sozialberatung trifft Holger Porzelt auf trauernde oder verzweifelte Menschen. Er begegnet ihnen mit Empathie und Klarheit. «Heute kann ich mich besser abgrenzen. Wenn ich nach Hause gehe, weiss ich, dass die Patientinnen und Patienten am USB gut versorgt sind. Das hilft.»
Es geht nicht nur ums Organisieren
Besonders in Erinnerung bleibt ihm ein Termin mit dem Ehemann einer schwer kranken Krebs-Patientin. «Ich habe gedacht, es gehe um die Invalidenrente», erinnert sich Holger Porzelt. Der Mann habe geweint und erzählt, wie verzweifelt er sei. «Es ging nicht um materielle Leistungen, sondern darum, dass er seine Sorgen teilen konnte. «Auch dafür sind wir da.»
Für den Mann, der sich keinen Rollator leisten kann, gibt es eine Lösung: Die Sozialberatung konnte einen Rollator aus eigenen Reserven organisieren – diese stammen häufig aus Spenden oder aus Haushaltsauflösungen. Der Rollator wurde desinfiziert und geprüft direkt ins Notfallzentrum gebracht. «Der Mann war sehr dankbar. So konnte er nach Hause gehen.»