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Text: Denise Dollinger, Fotografie: Pino Covino

Zufall für bessere Forschung

Mehr Betroffene in Studien einbeziehen – für den Leitenden Arzt am Universitären Tumorzentrum, PD Dr. Benjamin Kasenda, und sein Forschungsteam ist das täglicher Ansporn. Das Team nutzt das sogenannte RISAT-Tool, um einen Forschungsansatz umzusetzen, der den Weg zu neuen Therapien und Diagnostik schneller, kostengünstiger und gerechter machen kann.

Benjamin Kasenda, RISAT soll Studien gerechter machen, wie funktioniert das konkret?

Bisher haben wir Studienteilnehmende nach subjektiver Einschätzung ausgewählt und angesprochen. Jetzt übernimmt ein Zufallsmechanismus: Wir filtern geeignete Personen direkt aus den elektronischen Krankenakten. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt erhält automatisch eine Nachricht und spricht die Person beim nächsten Termin ganz gezielt an.

Warum ist dieses Vorgehen für die Forschung so wertvoll?

Klassische Studien – insbesondere aus der Pharmaindustrie – haben oft sehr enge Ein- und Ausschlusskriterien. Das kann medizinisch sinnvoll sein, lässt aber oft nur einen kleinen Teil der Patientinnen und Patienten übrig. Zudem sind tendenziell gebildete Menschen in Studien oft überrepräsentiert. RISAT ist deutlich patientenzentrierter: Es bezieht breitere Patientengruppen ein und spiegelt damit die Realität des Spitalalltags viel besser. Aus diesem Grund lassen sich neue Therapien und diagnostische Verfahren schneller und unter realen Bedingungen testen.

Am USB läuft bereits eine erste Studie mit diesem Tool …

Genau. Viele Betroffene fragen sich: «Lässt sich im Blut erkennen, was der Krebs gerade macht?» Das untersuchen wir aktuell. Den Teilnehmenden werden bei der routinemässigen Blutentnahme einfach zwei zusätzliche Röhrchen abgenommen. Wir analysieren darin die zirkulierende Tumor-DNA – ein minimaler Eingriff für die Patientinnen und Patienten, aber ein enormer Informationsgewinn für uns.

Wie nutzen Sie diese Ergebnisse weiter?

Wir besprechen die Resultate im Team und versuchen mit den zusätzlichen Informationen die Therapie besser zu steuern. Dabei entstehen ständig neue Fragen und Folgeprojekte. Wissenschaft bedeutet, permanent weiterzudenken.

Was ist Ihre Vision?

Wir möchten dieses Studiendesign so etablieren, dass es in einigen Jahren an vielen Spitälern Standard ist. Das Universitätsspital Basel geht hier als Pionier voran. Die Vision ist, klinische Forschung effizienter und vor allem näher am Menschen zu organisieren.

Was bedeutet klinische Forschung ganz konkret für unsere Patientinnen und Patienten?

Klinische Forschung ist der Motor für eine bessere Versorgung. Am Ende zählt nur das Ergebnis für unsere Patientinnen und Patienten. Je breiter wir forschen, desto grösser ist die Chance auf echte, lebensverändernde Lösungen.

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