Text: Alina Hoppe, Fotografie: Barbara Sorg
Nice to meet you
Anja Herrmann
Stellvertretende Direktorin Pflege
Nach der Matura zog es mich zunächst nach Italien, wo ich eine Zeit lang als Touristenführerin arbeitete. An eine Karriere in der Pflege dachte ich damals noch nicht. Ein Praktikum am USB änderte alles. Zwei Pflegefachfrauen gingen mit einer älteren Patientin so einfühlsam um, dass mir auf einen Schlag klar wurde: Das ist genau das, was ich machen will.
Seit fast 40 Jahren arbeite ich nun am USB – und lerne noch immer täglich dazu. Bis vor Kurzem war ich die Stellvertretende Direktorin Pflege/MTT und leitete die Abteilung Praxisentwicklung und Forschung. Dort werden Leitlinien entwickelt und Forschungsprojekte begleitet. Zum Beispiel wird die Patientensicherheit durch Sturzanalysen verbessert. Dazu habe ich einen Lehrauftrag an der Universität Basel. Während meiner ganzen Karriere blieb ich in der Praxis tätig. Der direkte Draht zu Patientinnen und Patienten war mir immer wichtig.
In meiner Freizeit sitze ich gerne auf dem Velo. Mit meinem Partner bin ich zuletzt von Genf bis zur spanischen Grenze geradelt. Bei kürzeren Touren sitzen meine zwei Enkelkinder im Lastenrad. Einmal pro Woche gehe ich zum Flamenco. Seit ich 21 bin, tanze ich in derselben Gruppe. Es gibt für mich keinen besseren Weg, den Kopf freizubekommen.
Federica fragt, Anja antwortet
Ich wollte ursprünglich Gynäkologin werden, weil mich die Vorstellung faszinierte, neues Leben auf die Welt zu bringen. Die Medizin und der menschliche Körper haben mich schon immer sehr interessiert. In der Pflege habe ich dann aber meine eigentliche Erfüllung gefunden.
Ich wäre gerne einen Tag lang Bundesrätin – um zu verstehen, wie man mit den zahlreichen, oft widersprüchlichen Anforderungen in dieser Position umgeht.
Beim Flamencotanzen. Die Kombination aus Musik, Bewegung und Liedern, die jeweils eigene Geschichten erzählen, hilft mir, meine eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Meine beiden Enkel machen mir auch sehr viel Freude.
Ja, sofort. Der Pflegeberuf eröffnet unzählige Chancen. Es ist ein Privileg, Patientinnen und Patienten in entscheidenden Momenten nah zu sein und dabei Einsichten zu gewinnen, die das eigene Leben prägen. Das wäre in kaum einem anderen Berufsfeld so möglich.
Zuhören und das eigene Handeln reflektieren. Patientinnen und Patienten, Angehörige und Mitarbeitende aktiv einzubeziehen und gemeinsam den Weg zu gestalten – das ist für mich zentral.
Ich habe selbst erlebt, wie ausgezeichnet meine Mutter hier am USB betreut wurde. Das hat mir noch einmal vor Augen geführt, was unsere Arbeit wirklich bedeutet. Diese Leistung verdient Anerkennung, auch die eigene. Für den Beruf einzustehen, Neugier zu zeigen und Wissen weiterzugeben: Das sind Haltungen, die uns stärken und die Pflege zukunftsfähig machen.
Federica Soldo
Pflegefachfrau
Am Ende eines Schichttages weiss ich erstaunlich viel über das Leben meiner Patientinnen und Patienten. Die Krankheitsbilder finde ich spannend – ebenso interessiert mich der Mensch dahinter. Ich nehme mir gerne Zeit für Gespräche.
Dass ich heute als Pflegefachfrau arbeite, hätte ich vor ein paar Jahren selbst nicht gedacht. Nach der Fachmatura in Kommunikation schrieb ich zunächst Werbetexte und begann ein Studium in Medienmanagement. Irgendwann merkte ich: Das erfüllt mich nicht. Eigentlich wollte ich immer Hebamme werden, landete jedoch auf der Warteliste – und so führte mich ein Umweg zur Pflege.
Am USB habe ich bereits während des Studiums gearbeitet, zuerst als Stationshilfe, später als Überwachungsstudentin. Seit Anfang 2026 bin ich diplomiert und arbeite auf der Inneren Medizin. Besonders schätze ich die flachen Hierarchien und dass das USB eine Lehrinstitution ist: Lernen gehört hier selbstverständlich dazu.
Zu Hause erden mich mein Gemüsegarten, wo Brokkoli, Auberginen, Himbeeren, Pfirsiche und Granatäpfel wachsen, und meine kleine Tochter, die im Juli zwei Jahre alt wird.
Anja fragt, Federica antwortet
Die klinische Beobachtung der Patientinnen und Patienten, die Begleitung und Betreuung und auch die Möglichkeit, den Menschen dahinter kennenzulernen. Ich finde die Gespräche mit Patientinnen und Patienten wichtig, da sie mir viele relevante Informationen geben.
Genügend Schlaf, Sonnenschein und frische Luft.
Ich bin frisch diplomiert, also ja. Vielleicht würde ich mich früher und ohne Umwege für den Beruf entscheiden.
Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen sich verbessern, insbesondere was die tägliche Belastung und den Personalschlüssel betrifft. Auch die Löhne stehen im Vergleich zu anderen Studienabschlüssen eher tief. Zudem sollte die Pflege in der Gesellschaft mehr Anerkennung statt Mitleid erfahren. Das könnte den Beruf attraktiver machen und mehr Menschen dazu bewegen, ihn zu erlernen.
Wenn ich draussen bin oder etwas mit meinen Händen mache.
Wenn mich etwas fordert, sage ich mir: «Es ist alles nur eine Phase». Das gibt leider nicht immer die nötige Geduld, hilft jedoch oft.
Das trifft sicher nicht auf alle zu, aber manchmal wünsche ich mir, dass die ältere Generation einen Moment innehält und an ihre Anfänge zurückdenkt: an die Zeit, in der sie ihren Beruf gewählt haben, an ihre Neugier und ihren Lernwillen. Vielleicht würde daraus der Wunsch entstehen, diese Haltung weiterzugeben – der jungen Generation Raum zu lassen, sie zu fördern und zu unterstützen. So könnten wir dort ansetzen, wo ihr aufgehört habt.