Text: Rolf Zenklusen, Fotografie: Kostas Maros
Das Rückgrat der Chirurgie
Als Fachfrau Operationstechnik bereitet Franziska Grolimund OPs vor, reicht Instrumente und sorgt für Hygiene und Sicherheit. Wir haben sie auf der Nachtschicht getroffen.
«Was steht heute an? Aha, ein Blinddarm.»
Beim Antritt ihrer Nachtschicht erkundigt sich Franziska Grolimund nach dem OP-Programm. Für die diplomierte Operationstechnikerin HF beginnt eine präzise Choreografie, lange bevor die Patientin in den Saal geschoben wird. Heute arbeitet sie Hand in Hand mit Benjamin Fitz: Während ihr Berufskollege die sterile Arbeit direkt am OP-Tisch übernimmt, sichert Franziska als unverzichtbare Stütze den unsterilen Bereich ab.
Ihre Hauptaufgabe ist es, Benjamin Fitz die nötigen Einzelmaterialien zu reichen. Dabei darf sie die durch blaue Abdeckungen gekennzeichnete Grenze zur sterilen Zone unter keinen Umständen verletzen. «Wir öffnen das sterile Material so, dass er es sicher greifen kann», erklärt sie. Die Basis dafür bildet ein vom USB selbst zusammengestelltes Universalset. Bestückt mit Mänteln, Bauchtüchern und Kompressen ist es so vielseitig, dass es für verschiedenste Eingriffe genutzt und individuell angepasst werden kann.
Die unsichtbare Gefahr
Die OP beginnt. Die grösste unsichtbare Gefahr ist jetzt, dass das sterile Operationsfeld verunreinigt werden könnte. Schon ein winziges Loch im Abdecktuch kann die Sterilität gefährden. Zwar könnten Standardinstrumente mit etwas Mehraufwand komplett neu bereitgestellt werden. Richtig kritisch wird es jedoch bei Unikaten: «Im schlimmsten Fall haben wir Instrumente offen, die es im USB nur ein einziges Mal gibt», schildert Franziska die enorme Verantwortung. Verliert ein Einzelstück seine Sterilität, droht der Abbruch der Operation. Zur absoluten Präzision gehört am Ende auch das lückenlose Zurückzählen aller Instrumente und Hilfsmittel. Ein vergessenes Material im Körper könnte schwere Entzündungen oder Folgeeingriffe nach sich ziehen.
Der OP-Betrieb am USB läuft hochgradig strukturiert und ist in vier spezialisierte Bereiche gegliedert. Obwohl Franziska in dieser Nacht bei einem Standardeingriff aushilft, schlägt ihr berufliches Herz für die Orthopädie, Traumatologie und Plastische Chirurgie. Dort, wo Knochen gerichtet und Gewebe rekonstruiert werden, sorgt sie Tag für Tag mit unerschütterlicher Ruhe dafür, dass die sterile Grenze gewahrt bleibt.
Herausfordernd und erfüllend
«Am meisten liebe ich die Abwechslung und die Möglichkeit, mich durch Weiterbildungen ständig weiterzuentwickeln», erzählt sie. Die Nachtschichten fordern diese Flexibilität besonders heraus. Auf die Blinddarmentfernung folgen in dieser Nacht ein Eingriff am Sprunggelenk, eine Operation an den Bandscheiben und eine Kniepunktion. Akute Notfälle bleiben dem Team diesmal erspart. Müde, aber mit dem guten Gefühl, geholfen zu haben, macht sich Franziska auf den Heimweg. Ihr ehrliches Fazit zum Feierabend: «Ich bin eigentlich kein Fan von Nachtschichten – aber sie gehören eben dazu.»