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Text: Annick Wangler, Fotografie: Barbara Sorg

Ein Tumor ist so individuell wie der Mensch

Prof. Mohamed Bentires-Alj – von allen Momo genannt – forscht an einer neuen Generation der Krebstherapie. Der neue Innovations-Focus «Personalisierte Krebstherapie» gibt seinem Team die Möglichkeit, Tumoren noch genauer zu analysieren und Behandlungen individuell zuzuschneiden.

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Momo, was ist ein guter Tag in der Forschung?

Wenn wir etwas Neues entdecken. Zum Beispiel, wenn wir herausfinden, dass ein Medikament wirken könnte, das bisher nicht als Standardtherapie eingesetzt wurde. Das ist aufregend. Manchmal braucht es kein neues Medikament – wir müssen nur das richtige für die richtige Patientin oder den richtigen Patienten finden.

Warum ist genau das bei Krebs so schwierig?

Was wir in den letzten 40 Jahren Forschung gelernt haben: Krebs ist extrem heterogen. Jeder Tumor ist anders, und selbst bei ein und derselben Person verändert er sich im Lauf der Behandlung. Gleichzeitig haben wir zwar viele sehr gute Medikamente, setzen diese aber oft nicht gezielt genug ein. Wir verabreichen ein Medikament und schauen, ob es wirkt, statt den Tumor vorher zu testen. Genau das möchten wir verändern.

Sie wollen also schon vor der Behandlung herausfinden, welche Therapie Erfolg verspricht. Was machen Sie dafür anders als bisher?

Wir testen nicht nur, wie ein Tumor aussieht oder welche Veränderungen in der DNA vorhanden sind. Wir untersuchen direkt, wie Tumorzellen auf ein Medikament reagieren. Dafür entwickeln wir aus Tumorproben von Patientinnen und Patienten dreidimensionale Modelle. Gleichzeitig analysieren wir die Umgebung eines Tumors. Denn Krebs existiert nicht isoliert, sondern interagiert mit Zellen in seiner Umgebung, die ihn unterstützen. Unser Ziel ist es, all diese Informationen zu verknüpfen, um für jede Patientin und jeden Patienten die optimale Behandlung zu finden.

Hier kommt dann die künstliche Intelligenz ins Spiel?

Ja, KI ist für uns sehr wichtig. Wir erzeugen eine enorme Anzahl an Bildern, um zu beurteilen, ob ein Medikament wirkt. Diese Datenmengen liessen sich von Menschen allein gar nicht mehr bewältigen. Wichtig ist aber: Am Ende braucht es immer den Menschen. Wir müssen nachweisen, dass die Resultate stimmen.

Für die Medizin von morgen


Mit dem «Innovations-Focus USB» verbindet das Universitätsspital Basel über mehrere Jahre die Expertise aus Klinik, Forschung und Entwicklung. Das Ziel: Innovationen schneller in die Patientenversorgung bringen.

Die aktuellen Schwerpunkte «Personalisierte Krebstherapie», «Digitale Präzisionschirurgie» und «Klinische KI» zeigen, wie das gelingt: Therapien werden individueller, Operationen präziser und medizinische Entscheidungen durch künstliche Intelligenz gezielt unterstützt.

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Für Patientinnen und Patienten kann es heute Monate dauern, bis klar ist, ob eine Therapie wirkt. Was könnte sich durch Ihren Ansatz verändern?

In dieser Zeit kann der Krebs weiterwachsen und die Betroffenen erleben unnötige Nebenwirkungen. Unser Ziel ist es, schneller zu erkennen, welche Therapie wahrscheinlich wirkt. Funktioniert eine Behandlung nicht, können wir früher Alternativen finden.

Was ermöglicht der neue Innovations-Focus des USB?

Vor allem eines: Er ermöglicht die enge Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten, Krebsbiologie, Bioengineering sowie Computer- und Datenwissenschaft. Basel bietet dafür ideale Voraussetzungen: Die Verbindung zwischen Klinik, Forschung und Industrie ist aussergewöhnlich eng.

Der Weg vom Labor zu den Patientinnen und Patienten ist entscheidend. Wo möchten Sie mit Ihrer Forschung in fünf Jahren stehen?

Ein Erfolg wäre für mich, wenn wir zeigen könnten, dass unsere Plattform zuverlässig vorhersagt, welche Therapie wirkt. Wir müssen zeigen, dass das, was wir im Labor sehen, auch bei Patientinnen und Patienten funktioniert. Mein Wunsch ist, dass künftig alle Betroffenen, die davon profitieren können, Zugang zu dieser Möglichkeit erhalten – egal, welche Krebsart sie haben.

Was treibt Sie persönlich an?

Neugier. In der Forschung geht es darum, die Mechanismen einer Krankheit zu verstehen – aber von Anfang an auch zu fragen: Wie können wir dieses Wissen für unsere Patientinnen und Patienten einsetzen?

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