Text: Denise Dollinger, Fotografie: Nicolas Sieber
Der direkte Draht zum Blutdruck
Für Hailey Kim war die Schwangerschaft ein Risiko: Sie leidet unter Bluthochdruck und brauchte intensive ärztliche Begleitung. Ein digitales Blutdrucktagebuch machte es möglich, dass PD Dr. Thilo Burkard sie aus der Distanz engmaschig betreuen konnte.
Wer Hailey Kim trifft, begegnet einer strahlenden jungen Frau. Erst vor Kurzem hat sie ihr erstes Kind bekommen und erzählt freudig von ihrer kleinen Tochter. Nichts lässt vermuten, dass ihre Schwangerschaft risikoreich war. «Ich leide genetisch bedingt an Bluthochdruck und muss regelmässig Medikamente nehmen», sagt sie.
Wenn der Kinderwunsch die Behandlung verändert
Seit drei Jahren wird sie von PD Dr. Thilo Burkard behandelt. Als sie ihm von ihrem Kinderwunsch erzählte, war schnell klar, dass sie auf ein anderes Medikament würde wechseln müssen, um das ungeborene Kind nicht zu gefährden. «In der Phase eines Medikamentenwechsels muss der Blutdruck besonders gut überwacht werden», so Thilo Burkard, Leiter des Universitären Zentrums für Hypertonie. Während einer Schwangerschaft kommt es zu Blutdruckschwankungen. Um dabei weder zu viele noch zu wenige Medikamente zu verabreichen, muss der Blutdruck regelmässig gemessen werden. Eine besondere Bedeutung kommt den Heimblutdruckmessungen zu, weil Einzelmessungen beim Arzt nur eine kurze Momentaufnahme sind.
Blutdruck messen zu Hause? Gar nicht so einfach
Selbstständig zu Hause den Blutdruck zu messen, wirkt auf den ersten Blick banal. In der Realität ist es jedoch eine ziemliche Herausforderung. «Für aussagekräftige Werte und gute Behandlungsentscheidungen steckt der Teufel im Detail», stellt Thilo Burkard fest. Es scheitert zum Beispiel daran, dass vielen Betroffenen die notwendigen fünf Minuten Ruhezeit vor der Messung gar nicht bewusst sind oder dass im Alltag vergessen wird, regelmässig morgens und abends zu messen. Manchmal führen die Patientinnen und Patienten eigene Excel-Tabellen oder handgeschriebene Messblätter, die Ärztinnen und Ärzte in das Krankenhausinformationssystem KIS übertragen. Diese Methode ist aufwendig und fehleranfällig. Aussagekräftige Heimblutdruckmessungen hingegen brauchen einen strukturierten Ablauf.
Deshalb hat das Hypertoniezentrum in Zusammenarbeit mit dem Innovation Office des Universitätsspitals Basel und dem Bereich Digitalisierung & ICT ein digitales Blutdrucktagebuch entwickelt. Damit können Patientinnen und Patienten zu Hause messen und die Messdaten direkt und datenschutzkonform in das Patientenportal myUSB einspeisen. Die App erinnert sie an die Messungen, führt sie Schritt für Schritt durch das Messprotokoll und macht nach Ende einer Messperiode eine Meldung an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.
Ein verlässlicher Begleiter im Alltag
Hailey Kim hat als eine der ersten Patientinnen von Thilo Burkard das digitale Blutdrucktagebuch verwendet. Was sie im Rückblick am meisten überzeugt, ist der Aufwand, der dadurch wegfiel: die Fahrten ins Spital oder die Zeit im Wartezimmer. «Für mich war es sehr angenehm, zu Hause zu messen und meinen Alltag weitgehend normal weiterführen zu können. Das war besonders während der Schwangerschaft eine Erleichterung», sagt sie. Bei Fragen oder Unsicherheiten meldete sie sich bei Thilo Burkard, die beiden tauschten sich alle zwei bis vier Wochen aus. «Ich habe mich die ganze Zeit über sehr eng betreut gefühlt», sagt sie.
Für Thilo Burkard war es entscheidend, dass die Messwerte seiner Patientin strukturiert, verlässlich und vergleichbar im klinischen System verfügbar waren. Auch andere Abteilungen konnten auf die Daten zugreifen, so zum Beispiel Hailey Kims Gynäkologin. Sie und Thilo Burkard konnten die Entwicklungen gemeinsam beurteilen und die Behandlung wo nötig rasch anpassen. Thilo Burkard ist von dieser Art der Heimblutdruckmessung überzeugt: «Wir haben damit eine technisch einfache Lösung, die eine grosse Lücke schliesst: zwischen den Empfehlungen der Leitlinien, der Messung zu Hause und dem klinischen Alltag. Verlässliche Messwerte, eine gemeinsame Dokumentation und der direkte Austausch im Behandlungsteam helfen uns, sowohl eine Über- als auch eine Unterbehandlung zu vermeiden.»
Für Hailey Kim war das digitale Blutdrucktagebuch ein verlässlicher Begleiter in der Schwangerschaft. Ihrer Tochter ermöglichte es einen gesunden Start ins Leben.